Welches Geschirr braucht mein Hund beim Sport?

Die Diskussion – Halsband oder Geschirr – höre und lese ich immer wieder. Doch mittlerweile haben wohl die meisten Hundehalter (ich auch 😉 ) ein Halsband UND ein Geschirr fĂŒr ihren Hund. Oft sogar mehrere verschiedene Geschirre. Daher stellt sich vielen Sportskanonen die Frage: Wann brauche ich welches Geschirr fĂŒr meinen Hund? Welche Geschirr- Typen eignen sich fĂŒr welchen Sport?

 

Erstmal vorweg: Ein Halsband ist beim Sport gefÀhrlich!

Ein Halsband stört die wenigsten Hunde und verursacht kaum Scheuerstellen auf der Haut. Daher ist ein Halsband eine super Sache, wenn dein Hund locker an der Leine laufen kann und du zu Fuß im Spaziergang-Tempo unterwegs bist. Sobald dein Hund aber an der Leine zieht oder ruckartig in die Leine springt, wirken diese KrĂ€fte der Leine auf eine sehr kleine FlĂ€che am Hals. Hier liegen wichtige und sensible Organe wie die SchilddrĂŒse, die Luftröhre und natĂŒrlich auch die großen HalsgefĂ€ĂŸe.

Sobald du sportlich unterwegs bist, solltest du ein Geschirr verwenden. Dein Hund kann plötzlich die Richtung Ă€ndern oder sich erschrecken. Oder du stĂŒrzt und ziehst dabei selbst an der Leine. Außerdem kannst du meist nicht so schnell reagieren, wie in gemĂŒtlichem Schritttempo. Die Verletzungsgefahr fĂŒr deinen Hund ist beim Sport durch ein Halsband zu groß!

Wenn dein Hund ein Geschirr trĂ€gt, verteilen sich die KrĂ€fte der Leine auf eine viel grĂ¶ĂŸere FlĂ€che. Die Gurte des Geschirrs liegen an mehreren Stellen am Hund und entlasten die fĂŒr die Bewegung wichtigen Körperteile (Atmung, Schultergelenk, 
).

Trotzdem kann auch ein Geschirr gesundheitliche SchĂ€den anrichten! Daher solltest du das Geschirr fĂŒr deinen Hund sorgfĂ€ltig auswĂ€hlen und anpassen.  

 

FĂŒr welche AktivitĂ€ten braucht mein Hund ein Geschirr?

Prinzipiell solltest du fĂŒr alle AktivitĂ€ten, die dynamisch sind, bei denen du schneller unterwegs bist oder bei denen dein Hund unerwartet seine Laufrichtung Ă€ndert, ein Geschirr verwenden.

Dazu zÀhlen:

  • Joggen
  • Fahrradtouren (z.B. am Abstandshalter oder an der Hand)
  • Wandern / Dog-Trekking
  • Spaziergang an der Schleppleine

FĂŒr unsere LieblingsaktivitĂ€ten brauchen wir also ein Geschirr 🙂 Aber welchen Geschirr- Typ fĂŒr welche AktivitĂ€t?

 

Welchen Geschirr- Typ fĂŒr welche AktivitĂ€t?

Die wichtigste Frage bei der Wahl des Geschirrs ist: Darf oder soll dein Hund ziehen?

Bei einer Fahrradtour (z.B. am Abstandshalter) soll dein Hund natĂŒrlich nicht ziehen, sondern am besten entspannt neben dem Rad traben. Hier reicht ein FĂŒhrgeschirr fĂŒr deinen Hund.

Wenn du aber zum Beispiel gern mit deinem Hund wandern gehst, kannst du dir die Lauf-Motivation deines Hundes zu Nutze machen und dich ziehen und somit beim wandern unterstĂŒtzen lassen (Dog-Trekking genannt). Das selbe Prinzip (Hund zieht seinen Menschen) funktioniert natĂŒrlich auch in schnelleren Gangarten wie Joggen (Cani-Cross) oder Fahrradfahren (Bike-Jöring) und vielen anderen Fortbewegungsarten (und damit wĂ€ren wir dann auch schon beim Zughundesport angekommen 😉 ). Hier braucht dein Hund auf jeden Fall ein Zuggeschirr.

Zuggeschirre sind dafĂŒr entworfen, den Zug der Leine optimal umzusetzen und gleichmĂ€ĂŸig auf die Brust bzw. den Brustkorb und RĂŒcken zu verteilen. Sie schrĂ€nken die Bewegungsfreiheit der aktiven Muskelgruppen und Gelenke nicht ein, sondern unterstĂŒtzen und geben im Idealfall den nötigen Halt. Zuggeschirre sind so konzipiert, dass sie dann perfekt sitzen, wenn Spannung auf der Leine ist und der Mensch sich direkt hinter dem Hund befindet.

FĂŒhrgeschirre sind (wie der Name schon sagt 😉 ) in erster Linie zum FĂŒhren des Hundes konzipiert worden. Das heißt, sie verteilen die Kraft einer gespannten Leine nicht sehr gut. Außerdem schrĂ€nken sie oft Muskelgruppen ein, die im Trab und Galopp besonders aktiv sind – besonders die Schultergelenke und RĂŒckenmuskeln. Körperliche Belastung und Ziehen im FĂŒhrgeschirr kann (je nach Hund und Sportart) zu Muskelverspannungen, WirbelsĂ€ulen- und Schulterproblemen fĂŒhren.

DafĂŒr sind FĂŒhrgeschirre oft super geeignet, um Hunde in Stresssituationen zu sichern oder in Gefahrensituationen zu festzuhalten. Im Gegensatz zu einem Halsband lassen sie dem Hund mehr Möglichkeiten zu kommunizieren, da sie den Kopf nicht beeinflussen und die Luftröhre schonen. Außerdem gibt es viele verschiedene Typen und Varianten, aus denen du je nachdem was dein Hund braucht und mag auswĂ€hlen kannst. Die zwei gebrĂ€uchlichsten Typen möchte ich dir kurz vorstellen:

 

FĂŒhrgeschirre

Es gibt 2 gĂ€ngige FĂŒhrgeschirr-Typen, die du in verschiedenen Varianten und Materialien kaufen kannst:

Norwegergeschirr / Sattelgeschirr

Das Norwegergeschirr oder (etwas abgewandelt) Sattelgeschirr ist sehr beliebt. Es hat den Vorteil, dass man es dem Hund schnell an- und ausziehen kann, da es nur aus einem Brustgurt besteht, welches zu einem Rumpfgurt fĂŒhrt, der hinter den Vorderbeinen geschlossen wird. Es hat keinen Gurt auf der Brust bzw. zwischen den Vorderbeinen. Damit ist es auch fĂŒr Hunde geeignet, die dort sensibel reagieren.

Wenn der Hund an der Leine zieht wird die Kraft durch den querverlaufenden Gurt auf die gesamte Brust verteilt. Du kannst deinen Hund so gut halten. Dabei bleibt außerdem der Hals- und Nackenbereich des Hunden frei, sodass dein Hund auch in Stresssituationen frei atmen kann und kein Druck auf empfindliche Organe im Halsbereich ausgeĂŒbt wird.

 

Der Nachteil ist jedoch, dass der querverlaufende Gurt im Gegenzug dazu direkt ĂŒber die Schultergelenke verlĂ€uft. Das schrĂ€nkt die Bewegungsfreiheit stark ein und kann bei dauerhaftem Zug zu Gelenkproblemen fĂŒhren. Aus diesem Grund ist das Geschirr nicht fĂŒr sportliche AktivitĂ€ten z.B. Joggen oder Fahrradtouren geeignet. Der Rumpfgurt verlĂ€uft außerdem sehr nah hinter den Vorderbeinen. Dadurch kann es bei einigen Hunden scheuen und zu Hautreizungen kommen. Hunde, die diese Schmerzen vermeiden möchten, gewöhnen sich dann unter UmstĂ€nden einen unnatĂŒrlichen Laufstil an, was ebenfalls Gelenkprobleme verursachen kann. Außerdem kann sich dein Hund durch den fehlenden Brustgurt sehr einfach aus dem Geschirr befreien, was natĂŒrlich gerade in Stresssituationen nicht sehr hilfreich ist.

 

Brustgeschirr

Im Gegensatz zum Norweger- oder Sattelgeschirr hat ein Brustgeschirr einen Gurt, der von einem dreieckigen Halsteil ĂŒber die Brust zwischen den Vorderbeinen durchfĂŒhrt und dort am Rumpfgurt befestigt ist. Der beim Ziehen entstehende Druck wird so auf dem Brustkorb verteilt. Der Hund hat hier etwas weniger Freiraum am Hals und Nacken, dafĂŒr bleiben die Schultergelenke unbelastet und beweglich. Damit ist das Geschirr auch fĂŒr sportliche AktivitĂ€ten, Joggen und Fahrradtouren geeignet.

Beim Brustgeschirr solltest du vor allem darauf achten, dass es deinem Hund gut passt – besonders wenn ihr sportlich unterwegs seid. Es sollte am Hals nicht zu eng sein und in den Achseln nicht scheuern. Es darf sich beim Laufen auch nicht verdrehen oder verrutschen.

Ein Brustgeschirr ist prinzipiell gut geeignet fĂŒr Sportskanonen. Jedoch: Augen auf bei der Wahl des Modells und der GrĂ¶ĂŸeneinstellungen.

Das Brustgeschirr gibt es auch in der Sicherheitsvariante mit einem zweiten Bauchgurt, der verhindert, dass der Hund sich aus dem Geschirr befreien kann.

 

Zuggeschirre

 

Aus dem Bereich der Zuggeschirre möchte ich dir 3 hÀufig genutzte Modelle vorstellen. Sie unterscheiden sich vor allem in diesen Punkten:

die bevorzugte Gangart des Hundes (Schritt oder langsamer Trab, ausdauernder kraftvoller Trab oder raumgreifender Gallop – hier werden immer andere Muskelgruppen beansprucht, die vom Geschirr ausgespart werden und Bewegungsfreiheit brauchen)

die Höhe des Zugpunktes (der Punkt, wo die Leine am Menschen oder am GerĂ€t befestigt ist, unterscheidet sich – der Zugpunkt eines Schlittens ist niedriger als der eines LĂ€ufers oder eines Fahrrads. Dieser Winkel muss bei der Wahl des Geschirrs beachtet werden)

 

X-Back-Geschirr

Das X-Back-Geschirr ist das traditionelle Schlittenhunde-Geschirr. Es wurde in erster Linie fĂŒrs lange ausdauernde Traben bei niedriger Anspannung (Schlitten) entworfen. Die Zuglast wird auf die Brust und den Brustkorb verteilt. Die seitlichen Gurte geben dem Hund einen guten Halt und StabilitĂ€t im RĂŒcken. Da das X-Back vor allem fĂŒr die nordischen “klassischen” Schlittenhund- Rassen entwickelt wurde, kann es schwierig sein, fĂŒr einen Hund einer anderen Rasse eine passende GrĂ¶ĂŸe zu finden. Es gibt aber Hersteller, die Geschirre nach genau den Maßen deines Hundes nĂ€hen. Das X-Back hat keine Möglichkeit zur GrĂ¶ĂŸenverstellung (so kann auch nichts reiben) daher muss es wirklich passen und je nach Trainingsstand und Bemuskelung und Alter des Hundes ausgewechselt werden.

 

Faster-Geschirr

Das Faster-Geschirr hat keine Gurte ĂŒber dem RĂŒcken. Daher wird es oft auch als Open-Back-Geschirr bezeichnet. Dieses Geschirr ist fĂŒr Hunde geeignet, die vor allem Galoppieren und dabei den RĂŒcken stark krĂŒmmen (z.B. Hounds). Hier bekommt der RĂŒcken besonders viel Bewegungsfreiheit, hat dadurch aber auch wenig FĂŒhrung und Halt im Geschirr. Durch den freien RĂŒcken, ist das Geschirr sowohl fĂŒr eine tiefe (Schlitten) als auch eine hohe Anspannung (Fahrrad, Scooter, LĂ€ufer) geeignet.

 

Non-Stop-Geschirr

Das Non-Stop-Geschirr ist eine Kombination aus traditionellen Zuggeschirren und dem Faster-Geschirr. Es hat dieselbe Zugkraftverteilung auf der Brust des Hundes. Im Gegensatz zum Faster hat es jedoch Quergurte aus Gummi, die den RĂŒcken beim Rennen stabilisieren. Die elastischen Gurte gleichen Unterschiede im Anspannungswinkel aus. Außerdem haben die RĂŒckenmuskeln dadurch mehr Halt und StabilitĂ€t. Zudem kann es an 2 Punkten in der GrĂ¶ĂŸe verstellt werden. Dadurch, dass das Geschirr viele positive Eigenschaften vereint, hat es sich mittlerweile zu einem sehr beliebten Geschirr-Typ gemausert.

 

Trekking-Geschirr

Trekking-Geschirre wurden in erster Linie fĂŒr das Wandern von langen Distanzen entworfen. Der Hund kann im Trekking-Geschirr seinen Menschen hier im Schritt oder langsamen Trab ziehen. Trekking-Geschirre haben eine breite GurtflĂ€che auf dem RĂŒcken. Dort ist oft auch ein Griff eingebracht, damit du deinem Hund in schwierigem, bergigen GelĂ€nde lenken und unterstĂŒtzen kannst. Diese Konstruktion schrĂ€nkt jedoch die Bewegungsfreiheit im RĂŒcken ein, weswegen es nur bedingt fĂŒr schnelle Sportarten vor dem LĂ€ufer oder Fahrrad geeignet ist.

 

Passt das Geschirr meinem Hund?

Checkliste

  •      Das Geschirr sollte am Hals nicht zu eng sein und die Atmung nicht beeintrĂ€chtigen.
  •      Das Geschirr sollte formstabil sein und sich beim Laufen nicht verdrehen.
  •      Das Geschirr (Gurte oder VerschlĂŒsse) darf nicht scheuern.
  •      Das Geschirr sollte eine handbreit hinter den Vorderbeinen Platz lassen, damit der Gurt nicht in den Achseln reibt.

Speziell bei Zuggeschirren gilt außerdem:

  •       Schulter- und RĂŒckenmuskulatur sollten Bewegungsfreiheit haben
  •       Die Passform des Geschirrs sollte vor allem unter Zugspannung (also unter den tatsĂ€chlichen Einsatzbedingungen) getestet werden