Mit dem Rad im Nah- und Fernverkehr

Ich starte meine Radtouren nie direkt vor meiner Haustür, sondern fahre mit der S-Bahn oder einer Regionalbahn zunächst ein Stück aus der Stadt raus. So bleibt mir und meiner Hündin anstrengender Stadtverkehr erspart und ich kann mehr Zeit auf entspannten, ruhigen Strecken in der Natur verbringen.

Wenn du dein Fahrrad im Nah- oder Fernverkehr mitnehmen möchtest, solltest du einige Punkte beachten.

Die offiziellen Beförderungsbedingungen für Fahrräder

Beförderungsbedingungen werden jeweils entweder von der Deutschen Bahn oder von dem Verkehrsverbund aufgestellt, in dem du unterwegs bist. Ein Verkehrsverbund ist meist an eine bestimmte Region gebunden. Der Verkehrsverbund in Berlin und Brandenburg ist z.B. der VBB. In allen Zügen, die in dieser Region unterwegs sind gelten demnach die Bedingungen der Deutschen Bahn oder die des VBB.

In den Beförderungsbedingungen der Deutschen Bahn heißt es:

„Jeder Reisende darf nur ein Fahrrad mitnehmen. Die Mitnahme ist auf zweirädrige, einsitzige, nicht – oder elektrohilfsmotorisierte Fahrräder sowie zusammengeklappte Fahrradanhänger beschränkt. In besonderen Zügen können, sofern ausreichend Platz vorhanden ist, auch nichtmotorisierte Liegeräder, Tandems sowie Dreiräder mitgenommen werden.“ (siehe 8.2)

Obwohl Lastenräder hier nicht ausdrücklich erwähnt werden, kann man sagen, dass Lastenräder auch “zweirädig und einsitzig” sind und damit erlaubt. Andererseits haben sie mitunter eher das Format eines Tandems oder Liegefahrrads. Wenn du ein solches Lastenrad besitzt, solltest du vorher abklären, ob der Zug, den du nehmen möchtest zu den erwähnten “besonderen Zügen” zählt und einen extra Tandem-Stellplatz hat. Noch mehr Infos zum Thema “Lastenrad im Zug” hat Arne von cargobike.jetzt in diesem Artikel festgehalten.

Egal welches Fahrrad du mit in den Zug nehmen möchtest, der wichtigste Satz in allen Beförderungsbedingungen ist “sofern ausreichend Platz vorhanden ist” und “obliegt bei allen Verkehrsmitteln letztlich dem Betriebspersonal”. Der Schaffner hat also immer das letzte Wort, ob er dich und dein Rad im Zug mitnimmt oder nicht.

 

Besonderheiten im Nahverkehr

Die Beförderungsbedingungen im Nahverkehr (also in U-Bahnen, S-Bahnen, Straßenbahnen, Bussen etc.) werden von dem jeweiligen Verkehrsbetrieb festgelegt und unterscheiden sich von Region zu Region. Bevor du eine Tour startest, solltest du daher recherchieren, welche Regeln die Verkehrsgesellschaft deiner Region festgelegt hat.

Sonderregeln gibt es häufig für bestimmte Tageszeiten. So wird oft die Mitnahme von Fahrrädern morgens und abends während des Berufsverkehrs ausgeschlossen. Aber auch Ferienregelungen sind üblich, sodass du z.B. während der Schulferien dein Fahrrad kostenlos mitnehmen kannst.

 

Besonderheiten im Regionalverkehr

Zum Regionalverkehr der DB zählen die Zugtypen RE, RB und der IRE. Schon 2016 war die Deutsche Bahn bereits für weniger als 70% aller Regionalzüge in Deutschland verantwortlich. Auf allen anderen Strecken fahren Züge anderer Betreiber. Die können prinzipiell ihre eigenen Beförderungsbedingungen festlegen. Meist richtigen sie sich jedoch nach den Regeln der Deutschen Bahn und denen des örtlichen Verkehrsverbunds.

Wie im Nahverkehr kannst du im Regionalverkehr prinzipiell keine Fahrradstellplätze reservieren. Das heißt: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Wer an einer Station einsteigen will, wo das Fahrradabteil schon sehr gefüllt ist, wird vom Schaffner unter Umständen nicht mehr in den Zug gelassen und muss auf den nächsten Zug warten. In manchen Regionen werden aber in der Sommerferienzeit spezielle Fahrradwaggons eingesetzt, sodass es mehr Platz für Fahrräder gibt. Hier können dann auch die Ticketpreise abweichen.

Wenn du ein Monats- oder Jahresabo für deine Region hast, kannst du manchmal ein Fahrrad und/oder einen Hund kostenlos mitnehmen. Wenn du häufiger unterwegs bist, lohnt es sich einmal nachzurechnen, wie oft du mit Hund und mit Fahrrad unterwegs sein müsstest, damit sich ein Abo lohnen würde.

Hier findest du eine Übersicht über die Fahrradmitnahme in den regionalen Verkehrsbetrieben:

Bayern
Baden-Württemberg
Berlin und Brandenburg
Hamburg
Hessen
Mecklenburg-Vorpommern
Niedersachsen und Bremen
Nordrhein-Westfalen
Saarland
Sachsen
Sachsen-Anhalt
Schleswig-Holstein
Thüringen
Rheinland-Pfalz

 

Besonderheiten im Fernverkehr

Auf den längeren innerdeutschen Strecken gibt es momentan kaum andere Anbieter neben der Deutschen Bahn. Daher gibt es hier schon mal keine Zweifel, welche Beförderungsbedingungen gelten 😉 Zum Fernverkehr zählen die Zugtypen IC, EC und der ICE.

In den Bedingungen zum Fernverkehr der DB heißt es:

“Die Mitnahme von Fahrrädern ist in Zügen der Produktklasse C […] möglich. Die Beförderung kann bei Platzmangel abgelehnt werden. In Zügen der Produktklasse IC/EC mit dem Symbol ist die Mitnahme von Fahrrädern reservierungspflichtig. In Zügen der Produktklasse ICE ist die Mitnahme von Fahrrädern ausgeschlossen.” (siehe 8.1)

Wenn du eine Fahrkarte und ein Fahrradticket kaufen möchtest, musst du bei der online Buchung gleich zu Beginn festlegen, dass du mit Fahrrad reist. Nun werden dir nur Zugverbindungen mit Fahrradabteilen angezeigt.

Nachdem du den Zug und dein Ticket gewählt hast, kannst du dann deine Fahrradkarte kaufen.

Wenn du mit einem Fahrradanhänger unterwegs bist, muss dieser laut Beförderungsbedingungen zusammengeklappt sein. Außerdem zählt ein Anhänger als extra Fahrrad und benötigt dementsprechend ein zweites Fahrradticket. Da es aber zudem in den Regeln heißt: “Jeder Reisende darf nur ein Fahrrad mitnehmen”, ist es eigentlich unmöglich mit Fahrrad UND Anhänger mit der Deutschen Bahn unterwegs zu sein. Wie immer gilt auch hier: am Ende entscheidet das Zugpersonal, ob sie dich mit deinem Fahrrad mitnehmen oder nicht.

Welche Erfahrungen hast du mit dem Fahrrad in Nah- und Fernverkehr gemacht? Fehlen in diesem Artikel noch weitere wichtige Infos? Dann schreib mir gern eine Email an maria@radundhund.de 🙂