Gesunde Gelenke

Unsere Gelenke (und die unserer Hunde) sind eine faszinierende Kombination aus Knochen, Knorpel, Bindegewebe, Bändern und Sehnen. Solange sie ordentlich geschmiert sind und verlässlich ihren Dienst tun, denken wir kaum darüber nach, wie wir mit ihnen umgehen. Aber sobald ein Gelenk mal Probleme macht und Schmerzen verursacht, werden wir daran erinnert wie wichtig sie sind. Vor allem für aktive, lauffreudige Hunde ist das schlimm. Ohne Bewegung, Laufen und Springen ist ihr Wohlbefinden stark eingeschränkt. Was kannst du also tun, damit dein Hund noch lange eine hüpfende, grinsende Freude auf 4 Pfoten bleibt?

#1 Übergewicht vermeiden

Achte darauf, dass dein Hund keine überflüssigen Kilos ansammelt. Jedes zusätzliche Kilo belastet auch die Gelenke zusätzlich. Pi-mal-Daumen sind 15% unter oder über dem Gewicht des Rassestandards im Rahmen. Da aber viele Hunde nicht reinrassig sind und auch das Aktivitätsniveau individuell verschieden ist, solltest du dich nicht nur nach den Zahlen richten. Am besten kannst du das Gewicht deines Hundes beurteilen, indem du ihn dir genau anschaust und abtastest. Von oben solltest du die Taille deines Hundes sehen und die Rippen deutlich spüren, aber nicht sehen können. Katherine von hund-unterwegs hat dazu einen ausführlichen Artikel geschrieben, den ich sehr hilfreich finde.

 

#2 Regelmäßig einen Tierarzt konsultieren

Dein Hund kann auch in jungen Jahren schon Probleme mit den Gelenken haben. Gründe für Gelenkschäden sind nämlich nicht nur Verschleiß im Alter, sie können auch angeboren sein oder durch Unfälle beim Spielen zustanden kommen. Wenn Probleme schon im Welpenalter auftreten, sind es oft angeborene Fehlstellungen oder Fehlentwicklungen im Wachstum. Neben orthopädischen Ursachen, können auch Infektionen oder Stoffwechselstörungen Probleme auslösen.

Du solltest deinen Hund aufmerksam beobachten und regelmäßig einem Tierarzt vorstellen, um rechtzeitig reagieren zu können und Probleme möglichst nachhaltig zu beheben. Auf jeden Fall solltest du deinen Hund bevor du mit Ausdauertraining anfängst oder eine Radtour planst, einem Tierarzt vorstellen. So kannst du gesundheitliche Probleme ausschließen oder erkennen, bevor dein Hund deine Gelenke stärker belastet und mögliche Gelenkprobleme sich verschlimmern. Wenn dein Hund jung und fit ist und noch keinerlei Gelenkprobleme hat, geht es vor allem darum Gelenkproblemen vorzubeugen.

 

#3 Vor der Belastung die Gelenke aufwärmen

Gezieltes Aufwärmen vor einer Belastung ist aus mehreren Gründen wichtig für die Gelenke.

Zum einen enthält die Gelenkkapsel eine Flüssigkeit, die die Gelenke schmiert – Gelenkschmiere sozusagen. Werden die Gelenke zunächst langsam beansprucht und damit aufgewärmt, wird die Produktion der Gelenkflüssigkeit angeregt. Der Gelenkknorpel enthält dann mehr Flüssigkeit und kann Stöße und Belastungen besser abfedern. Außerdem werden Sehnen und Bänder durch das Ansteigen der Körpertemperatur während der Aufwärmphase elastischer. Sie können dann die anschließende Belastung besser wegstecken. Darüber hinaus fließt das Blut durch das Aufwärmen schneller. Auch die Muskulatur um die Gelenke herum wird nun mit mehr Sauerstoff und Nährstoffen versorgt.

Oft genügen schon wenige Minuten, um diese positiven Effekte für die Gelenke zu nutzen. Die Aufwärm-Übungen, die ich mit meiner Hündin Heaven vor einer Tour oder der nächsten Etappe mache, habe ich hier für dich aufgeschrieben.

 

#4 Die richtige Bewegung auf dem richtigen Untergrund

Besonders gelenkschonend ist lockeres, gleichmäßiges Laufen auf einem weichen Untergrund. Wald- und Feldwege sind perfekt für Hundebeine. Im Gegensatz zu harten Pflaster- oder Asphaltböden werden hier die Schritte gut abgefedert. Die Gelenke bekommen daher keine harten Stöße verpasst und werden viel weniger beansprucht. Das gleiche gilt übrigens fürs Treppensteigen: die Stöße und die Last des Hundegewichts auf den Vorder- bzw. Hinterbeinen belastet die Gelenke stärker. Schwimmen ist bekanntermaßen besonders gesund für die Gelenke. Das Hundegewicht lastet dabei nämlich nicht auf den Gelenken. Ähnlich wie beim Schwimmen, werden auch beim lockeren Traben die Gelenke besonders gut geschmiert. Die Beine können nämlich einfach in der Luft durchschwingen, ohne, dass die Gelenke selbst aktiv werden müssen.

Wenn dein Hund Gelenkprobleme oder eine Fehlstellung hat, dann solltest du sehr vorsichtig sein, wenn du Bewegung von ihm forderst. Doch auch Hunde, die nicht (mehr) am Rad laufen können, können mit auf Tour gehen! Der Fahrradkorb, das Lastenrad oder der Fahrradanhänger macht’s möglich. Und wer sagt, dass man ein Fahrrad nicht auch mal für eine Teilstrecke schieben kann, wenn für deinen Hund ein schnelleres Tempo nicht (mehr) gesund wäre?

 

#5 Gelenke abtasten nach der Tour

Nach dem Radfahren oder anderer körperlicher Belastung taste ich die Gelenke und Pfoten meiner Hündin ab, um Verletzungen oder Schwellungen rechtzeitig zu bemerken. Das gehört bei uns, genau wie das Absuchen nach Zecken, zur Routine nach jeder Tour.

 

#6 Die richtigen Gewohnheiten

Auch wenn man sich noch so viel Mühe gibt, ein Hund muss ein Hund bleiben dürfen. Auch wenn es nicht gut für die Gelenke ist, wird er hin und wieder einen Sprint auf einem Asphaltboden hinlegen oder auf gepflasterter Straße eine Vollbremsung machen, weil das Grasbüschel so interessant gerochen hat. Deswegen solltest du dich nicht verrückt machen. Ein gesunder Hund kann ohne Probleme gelegentlich auf Asphalt laufen und wird davon nicht sofort und für immer Gelenkprobleme bekommen.

Ich finde es jedoch wichtig, die eigenen Gewohnheiten und Routinen immer mal wieder unter die Lupe zu nehmen. Über welchem Untergrund führt der tägliche morgendliche Spaziergang? Auf welchem Boden übst du Apportieren (mit vielen Sprints und abrupten Stops)? Wann hast du deinen Tierarzt das letzte Mal gebeten, einen Blick auf die Gelenke deines Hundes zu werfen? Wie regelmäßig machst du mit deinem Hund kleine Aufwärmübungen vor einer Tour?

Es sind die kleinen Gewohnheiten und Aufmerksamkeiten, mit denen du langfristig die Gelenke deines Hundes schonst und Probleme rechtzeitig bemerkst 🙂